27.12.2017

Erstes Protokoll nach dem 2. Weltkrieg

Nach den Jahren des Zusammenbruches, des schrecklichen Krieges bis zur heutigen Zeit, hatte man in unserem Eggedörfchen auch wieder den Wunsch ein Volksfest, ein Heimatfest, das allbeliebte Schützen-fest zu feiern.
Aus diesem Grunde hatte man sich in der Gastwirtschaft Gnade Merlsheim versammelt um diesem Wunsch einmal wieder Wirklichkeit werden zu lassen. Einstimmig war man der Meinung Schützenfest zu feiern. So wurde aus der Versammlung heraus ein vorläufiger Vorstand gewählt. Dieser Vorstand sollte schon mit den Vorarbeiten beginnen. Am darauffolgenden Sonntag wurde dann der endgültige Vorstand gewählt.
Dieser besteht aus dem ersten Vorsitzenden
1. Vorsitzender Albert Ridder,
Zu seinem Stellvertreter wurde der Bauer Johann Zünkeler gewählt.
2. Dem Schriftführer: Lehrer Schwarze Stellvertreter: Ferdinand Tilly.
3. Dem Kassierer: Anton Spier jun. Stellvertreter: Albert Mühlenhoff.
Als Oberst wurde der Bauer Anton Müller, als Hauptmann Josef Koch gewählt, desgleichen als Fähnrich Herr Mürrmann und als Fahnenoffiziere Karl Blume und Anton Tilly. Zu Unteroffizieren wurden gewählt Johann Lünz, Anton Zünkler u. Karl Schellhorn. Den verantwortlichen Posten des „Britzenmeisters“ (Tambourmajor) übernahm Herr Borchard.
Der Vorstand hatte nun die Vorbereitungen zum Fest zu treffen. Aus der Versammlung wurde der Vorschlag gemacht, ohne Holzgewehr zu marschieren, das allgemeinen Beifall fand. Das Königschießen fand am Fronleichnamstag statt. Die Königswürde mit der höchsten Ringzahl erwarb Herr Kurt Ellrich, der am selben Abend unter den Namen Sr. Majestät Kurt I. proklamiert wurde. Als Königin und Mitregentin erkor er sich Frau Gertrud Ridder.
Im Laufe der Zeit wurden nun die Vorbereitungen zum Schützenfest, das am 8. + 9. Mai stattfinden sollte, erledigt.
Die Schänke zum Fest wurde dem Gastwirt August Gnade übertragen. Als Gegenwert hatte er ein Zelt von 300qm Fläche festtagsmäßig zu stellen, dazu gehört ausreichende Sitzgelegenheit, Beleuchtung, Aus-schmückung des Zeltes. Außerdem hat der Festwirt an den Schützenverein 50,- DM in Worten: Fünfzig in bar zu zahlen, mit dem Bemerken, daß dieser Betrag für Getränke verwendet wird.
Nach vielen Streitigkeiten wurde die Musik zum Fest dem Kapellmeister Vennemann, Musikkapelle Lügde, zum Preise von 430,- DM übertragen. Großzügigerweise hatte sich die Kapelle auch beim Königschießen zur Verfügung gestellt.
Schnell schritten die Wochen dahin und die Schützenbruderschaft Merlsheim und Schönenberg konnten am 8. und 9. Juli des Jahres 1951 ein gemütliches Fest feiern. Da der Wettergott mit allen auf gutem Fuß stand, so herrschte an beiden Tagen so ein richtiges Schützenfestwetter, welches sich auch auf die Gemüter und Herzen aller Merlsheimer und Schöneberger auswirkte.
Der 8. Juli, der Sonntag, war ein großer Erfolg, was auch die Kassenabrechnung ausweisen muß.
Dieser lief programmmäßig in alter, traditioneller Weise.
Am zweiten Tag fand ein feierliches Schützenhochamt statt, anschließend am Kriegerehrenmal ein Gedenken für die Gefallenen der Kriege. Zu Ehren der Helden wurde ein Kranz niedergelegt. Ebenfalls wurde auch der Gefallenen am Ehrenmal in Schönenberg gedacht.
Am ersten Tag des Morgens, um ½ 11 Uhr, trat die Schützenbruderschaft, voran die Musikkapelle, an und legte ebenfalls in Schönenberg am Kriegerdenkmal zu Ehren der Toten einen Kranz nieder.
Nach dem Festzug der Frauen fand das Königsfrühstück und das Kaffeetrinken der Frauen statt.
So war auch der zweite Tag ein Tag der Freude und des gemütlichen Beisammenseins. Die Tanzlustigen werden auch an diesem Tag auf Ihre Kosten gekommen sein.
Als Festbeitrag wurde für die Herren für beide Tage insgesamt DM 2,50, für teilnehmende Frauen für beide Tage am Fest, als Eintritt DM 1,- erhoben. Näheres wird im Kassenbericht und in der Bilanz zu sehen sein.
Somit hat auch das Schützenfest im Jahre 1951 wieder gezeigt, das man in Merlsheim ein gemütliches Fest zu feiern versteht.

Merlsheim, im Juli. 1951


 

St. Josef Schützenbruderschaft
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