27.12.2017

Schützenbrief
für die Schützengesellschaft zu Merlsheim und Schönenberg

§.1.
Jedes Familienhaupt oder jeder selbständige Einwohner, sofern er unbescholten ist, kann als Schützenmitglied aufgenommen werden.
 

§.2.
Personen, welche als Gemeindeglieder noch nicht aufgenommen oder nicht in der Lage sind, sich als Schützenbrüder aufnehmen zu lassen, können nur als Ehrenmitglieder am Schützenfeste Theil nehmen. Ueber die Zulassung derselben entscheidet der Schützenvorstand
 

§.3.
Solche Einwohner, die als Mitglieder aufgenommen werden können, sich aber nicht als solche aufnehmen lassen, dürfen am Schützenfeste nicht Theil nehmen
.
 

§.4.
Ueber die Schützenmitglieder wird vom Schützenführer ein namentliches Verzeichniß geführt und dies alljährlich berichtigt.
 

§.5.
Das Austreten aus der Gesellschaft steht Jedem frei, wenn er seinen Austritt drei Monate vor dem nächsten Schützenfeste dem Schützenführer anzeigt. Der Austretende verliert alle Ansprüche auf das Vermögen des Vereins
 

§.6.
Durch Beschluß des Vorstandes können auch Mitglieder gegen ihren Willen aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden,

a.

wegen Ungehorsams gegen die Vorgesetzten oder deren Anordnungen,

b.

wegen Beleidigung eines anderen Mitgliedes und unanständiges Betragen während des Festes,

c.

wegen Unvorsichtigkeit bei Handhabung des Gewehrs.

d.

Sollte ein Mitglied wegen eines entehrenden Verbrechens in Untersuchung stehen oder bestraft sein, so darf dasselbe an dem Schützenfeste keinen Theil nehmen
 

§.7.
Ein nach §.6. ad a. b. und c. entlassenes Mitglied kann erst nach erfolgter Besserung und nicht vor Ablauf von 2 Jahren, ein nach §.6d entlassenes Mitglied erst nach 4 Jahren nach verbüßter Strafe. und gründlicher Besserung wieder aufgenommen werden.
 

§.8.
Der Schützenvorstand sorgt für das Beste der Gesellschaft; er ordnet das Fest an und hält auf Ordnung. Ausgaben aus der Vereinskasse werden nur auf seine Anweisung geleistet.
 

§.9.
Der Schützenvorstand besteht aus:

a.
b.
c.
d.
e.
f.
g.
h.
i
.
j.
 

einem Schützenführer oder Major.
einem Adjutanten.
einem Kapitain.
zwei Lieutenants.
einem Fähnrich.
drei Unteroffizieren.
zwei Dechen.
zwei Schäffer.
zwei Bankmeister.
 

§.10.
Der Schützenvorstand wird von sämtlichen Vereins-Mitgliedern durch einfache Stimmenmehrheit auf unbestimmte Zeit erwählt. Für jedes Mitglied wird besonders abgestimmt.
 

§.11.
Der Schützenführer beruft den Vorstand und führt die Beschlüsse desselben aus.Bei Gleichheit der Stimmen im Vorstande entscheidet die Stimme des Schützenführers. Die nicht Erscheinenden sind an die Beschlüsse der Erschienenen gebunden.
 

§.12.
Der Schützenführer hat über die Einnahmen und Ausgaben des Vereins Rechnung zu legen und solche binnen spätestens 3 Wochen nach dem Schützenfeste an den Gemeinde- Vorsteher zu übergeben, welcher dieselbe rewidirt, dem Schützen- Vorstande zur Erklärung vorlegt und dann festsetzt.
 

§.13.
Die Offiziere I: §.9 :/ tragen besondere Abzeichen, wodurch ihr Rang bezeichnet wird.
 

§.14.
Der Schützenführer bestimmt die Stunde, wann die Compagnie zusammen treten soll. Der Zusammentritt findet immer erst nach beendigtem Gottesdienste statt.
 

§.15.
Die Compagnie rückt am Tage des Schützenfestes vor dem Ausmarsch vor die Wohnung des Schützenkönigs, um denselben abzuholen.
 

§.16.
Beim Schießen hat der Vorsteher der Gemeinde, im Namen Sr. Majestät unseres allergnädigsten Königs den ersten Schuß; den zweiten hat der alte Schützenkönig, dann folgt der Schützenführer, dann der Capitain u.s.w.
 

§.17.
Wer den besten Schuß hat, wird Schützenkönig. Entstehen über den besten Schuß Zweifel, dann entscheidet der Schützenvorstand unter Zuziehung des Gemeinde- Vorstehers.
 

§.18.
Nach abgehaltenem Schießen findet Tanzlustbarkeit statt.
 

§.19.
Wie lange die Festlichkeit dauern und wann die Tanzbelustigung geschlossen werden soll, wird nach eingeholter polizeilicher Erlaubniß vom Vorstande bestimmt
 

§.20.
Aller Brantwein-Schank ist beim Schützenfeste durchaus untersagt.
 

§.21.
Kein Schütze darf seinen Schuß einem anderen übertragen. Wer nicht vortritt, wenn die Reihe an ihm ist, verliert den Schuß.
 

§.22.
Kein Schütze darf auf dem Wege zum Schützenplatze und zurück ein geladenes Gewehr führen.
 

§.23.
Das Tabackrauchen muß auf dem Schützenplatze während des Schießens unterbleiben.
 

§.24.
Das Laden der Gewehre wird von Sachverständigen besorgt
und bestimmt darüber der
Schützenführer.
 

§.25.
Wer sich in Getränken berauscht, ungebührlich beträgt, die Ruhe, Ordnung und Heiterkeit des Festes stört oder auf irgend eine andere Weise Veranlassung zu Störungen gibt, wird vom Platze geschafft und außerdem mit einer Strafe bis zu 15 Sgr. belegt.
 

§.26.
Der Beitrag eines jeden Schützen wird vor jedem Feste vom Vorstande nach einer ungefähren Berechnung festgesetzt und vorher an den Schützenführer eingezahlt.
 

§.27.
Wer mit der Zahlung seines Beitrags zurück bleibt, darf für diesmal an dem Feste keinen Antheil nehmen.
 

§.28.
Wenn ein Gemeindemitglied, welches nicht in den Gemeinden Merlsheim und Schöneberg geboren und neu angezogen ist, sich als Mitglied der Schützengesellschaft aufnehmen läßt, so muß von demselben eine Tonne Bier an die Gesellschaft gegeben werden.
(Anmerkung: Im Original ist dieser Paragraph durchgestrichen )
 

§.29.
Jeder Schützenbruder ist verpflichtet einem verstorbenen Mitgliede der Schützengesellschaft zu Grabe zu geleiten und wer vom Schützenführer zum Leichentragen bestellt wird, bei einer Strafe von 5 Sgr. diesem Befehle Folge leisten oder in Behinderungsfällen für sich einen andern Schützenbruder zum Tragen gestellen.
 

§.30.
Das Eintrittsgeld wird fürs 1ste Jahr auf überhaupt 1 (Taler) festgesetzt. Beim folgenden Feste ist dann noch 1 (Taler) 10 Sgr, statt der früher gelieferten Gerste zu zahlen.
 

§.31.
Kein Schützenmitglied darf bei einer Strafe von 5 bis 15 Sgr. Bier aus dem Schützenhause tragen oder ausschenken.

--
Gegenwärtiger Schützenbrief wird hiermit genehmigt.

 Steinheim den 17ten Juli 1857

Amt Nieheim & Steinheim
(Siegel)

als Amtmanns-Stellvertreter
 H Buhse
 

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